picturemaxx-Vorstände Gerhard Feigl und Marcin Czyzewski stellen neues Lizenz-Angebot vor

Im Internet werden massenhaft Fotos einfach verwendet ohne Genehmigung und ohne dafür zu bezahlen. Gestohlene Fotos zu finden und das fällige Honorar einzutreiben, ist für die Rechteinhaber mühsam und zeitaufwendig. Das übernimmt seit Juli 2020 der professionelle Service picturemaxx RightsControl.

 

picturemaxx CEO Gerhard Feigl und CTO Marcin Czyzewski erläutern das Angebot und geben Ausblicke auf das Jahr 2020/21.

 

 

Herr Feigl, Sie sind seit Ende des vergangenen Jahres CEO von picturemaxx, dem weltweit wohl größten Netzwerk professioneller Anbieter und Nutzer von digitalen Fotos. Herr Czyzewski, Sie sind seit Anfang des Jahres CTO des Unternehmens. So kurz im Amt werden Sie beide mit einer Ausnahmesituation konfrontiert. Was bedeutet die Corona-Krise für Ihr Unternehmen?

Czyzewski: Zunächst ist es wichtig, dass Leben und Gesundheit geschützt werden und das ist es, worauf wir uns im Augenblick konzentrieren. Schon frühzeitig haben wir dafür gesorgt, dass der Geschäftsbetrieb ortsunabhängig laufen kann. Alle Mitarbeiter können ganz oder zum großen Teil von zu Hause aus arbeiten. Das empfehlen wir auch unseren Kunden. Da die picturemaxx Software nicht an einen bestimmten Arbeitsplatz gebunden ist, können unsere Kunden in vielen Fällen ebenfalls von zu Hause aus Bilder recherchieren oder ihre Datenbanken pflegen, ohne dass neue Software-Lizenzen gekauft werden müssen.

 

Sind die Folgen der Corona-Krise für die Bilderbranche schon absehbar?

Feigl: Viele Fotografen sind ja trotz Corona-Virus unermüdlich im Einsatz. Doch ohne Veranstaltungen gibt es keine Berichterstattung. Das trifft Fotografen und Bildagenturen, die sich auf Politik, Kultur, Sport oder Entertainment spezialisiert haben, besonders hart. Und auch in der Werbewirtschaft und in den Verlagen wird es Einschnitte geben.

 

Wohin entwickelt sich der Markt?

Feigl: Wir glauben, dass die digitalen Bildmedien ihre führende Rolle als Kommunikationsmedium weiter ausbauen werden und sich dadurch das Nutzungsverhalten ändert. Das beinhaltet große wirtschaftliche Chancen, kann aber auch zu einer Konsolidierung des Marktes führen. Diese Entwicklung könnte durch die Corona-Krise beschleunigt werden. Letztlich hängt vieles von den nächsten Wochen und Monaten ab.  

 

Viele Bildverbraucher nutzen inzwischen Adobe Stock oder Shutterstock, um geeignete Bilder zu finden. Empfinden Sie das als Konkurrenz?

Feigl: Bildportale wie diese beiden großen gibt es natürlich zuhauf. Wenn von Käuferseite Bedarf an dem Material besteht – und das ist bei den genannten klar der Fall – sehen wir diese als potenzielle Partner und nicht als Konkurrenten. Im deutschsprachigen Raum ist uns zudem kein weiteres übergreifendes Werkzeug bekannt, das viele Portale und mehrere hundert Bildagenturen vereint.

 

Würden Sie denn Adobe Stock und Shutterstock in Ihr Netzwerk aufnehmen?

Feigl: Wir arbeiten mit beiden zusammen, Shutterstock ist bereits im Mediennetzwerk vertreten. Wichtig sind aber auch die vielen Spezialanbieter, oft weniger bekannte Brands, die bestimmte Themen qualitativ hochwertig und in ungeahnter Tiefe abdecken, beispielsweise Eishockey, Pferde, Medizingeschichte oder Nutzpflanzen.

 

Was ist RightsControl genau?

Feigl: Dieser professionelle Service ist für jeden Fotografen und jede Bildagentur wichtig, denn wir spüren illegale Foto-Nutzungen auf und treiben das Honorar dafür ein. Die Rechteinhaber und die Urheber können nachträglich rechtmäßig vergütet werden. Wir kooperieren dabei mit dem darauf spezialisierten Dienstleister Image Professionals.    

 

Wieviel Bilder wurden bereits als missbräuchlich identifiziert?

Feigl: Konkret wurde von Image Professionals bislang allein in Deutschland eine fünfstellige Zahl an unerlaubten Nutzungen erfolgreich gelöst und damit die Urheber nachträglich vergütet. Zu picturemaxx RightsControl können wir noch keine Angaben machen. Aber nach unserer Erfahrung stehen einer legalen Nutzung eines professionellen Bildes durchschnittlich bis zu fünf missbräuchliche Nutzungen im Netz gegenüber. Die Bild-Piraterie hat riesige, existenzbedrohende Dimensionen angenommen. Die entgangenen Erlöse durch die illegale, kommerzielle Nutzung von Bildern übersteigen nicht selten den regulären Jahresumsatz des Rechteanbieters. Der wirtschaftliche Schaden ist sehr hoch und zerstört das reguläre Geschäftsmodell. Der Einsatz von picturemaxx RightsControl lohnt sich auf jeden Fall.

 

Und wie funktioniert dieser Service, müssen dafür die verkauften Bilder in eine Suchmaschine hochgeladen werden?

Czyzewski:: Das Handling ist sehr einfach, denn die Fotos von picturemaxx Kunden, die picturemaxx AGENCY oder CORPORATE mit der BACKSTAGE-Datenbank nutzen, müssen für die Suche nach illegalen Duplikaten im Internet nicht erneut hochgeladen werden. Nach Klärung der individuellen Voraussetzungen kann der Service gebucht werden und schon wird geprüft.

 

Geht das alles automatisch?

Czyzewski: Nein. Der Aufwand, allen unerlaubten Nutzungen nachzugehen, wäre zu groß. Bei uns beurteilen Experten, welcher illegalen kommerziellen Nutzung erfolgreich nachgegangen werden kann.

 

Sie gehen also nicht allen illegalen Nutzungen nach?

Feigl: Aus Erfahrung wissen wir, dass nicht jeder Fall von Bild-Piraterie erfolgreich monetarisiert werden kann. In solchen Fällen kann man sich die Kosten für aussichtslose Klagen sparen.

Und was müssen die Rechteinhaber tun, damit Sie aktiv werden?              

Czyzewski:: Wer sich für RightsControl entscheidet, bekommt die im Internet genutzten Bilder präsentiert, zu denen ein Missbrauchsverdacht besteht. Rechteinhaber müssen dann lediglich prüfen, ob die Nutzung unrechtmäßig ist. Ist das der Fall, übernimmt picturemaxx RightsControl und treibt das Honorar ein. Im Erfolgsfall wird eine anteilige Provision abgerechnet.

 

Wenn Sie etwas weiter in die Zukunft schauen, wohin geht die Entwicklung von picturemaxx?

Feigl: Wir werden uns neu aufstellen. Auf Basis der bisherigen Entwicklung werden der Marktplatz und die angebotene Technik neu und zukunftsweisend definiert, um die Zielgruppe der potentiellen Abnehmer signifikant zu erhöhen. Dazu gehört es auch, das Kundenerlebnis in den Mittelpunkt zu stellen: das für den Nutzer beste Bild in kürzester Zeit zu finden. Dabei spielt KI im Bereich der Bilderkennung und im Nutzerverhalten eine zentrale Rolle. Wichtig ist, die Medienanbieter in allen Facetten partnerschaftlich zu unterstützen. Es gilt weiterhin, wirtschaftlich zu arbeiten und die besten Bilder zu Verfügung zu stellen.

(vr) 13.10.2020