So öffnet sich die Bewegtbild-Agentur Neverest dem Wettbewerb mit Produktionsfirmen

Ewald Pusch treibt bei seiner Bewegtbild-Agentur Neverest den Wandel voran (Foto: Neverest)

Gestartet war die Serviceplan-Tochter Neverest eigentlich als TV-Department, heute arbeitet der Dienstleister um den Gründer und Geschäftsführer Ewald Pusch auch direkt für eigene Kunden, unabhängig von der Mutter. Neben der internationalen Expansion wird in diesem Jahr auch die Teilnahme an Pitches um die Produktion von Spots zu einem Thema.

 

Red Box: In den vergangenen Jahren haben Sie an Pitches um die Produktion nicht teilgenommen. Inwiefern sieht das heute anders aus?

Ewald Pusch: Zehn Jahre lang haben wir eine strikte Trennung praktiziert. Wir hatten uns eine Selbstbeschränkung auferlegt, nicht gegen Lieferanten zu pitchen. Heute müssen wir mitpitchen, weil der Markt sich auch international geändert hat. Agenturen sind darauf angewiesen, Bewegtbild inhouse zu machen. Das ist kein Thema nur bei uns im Haus, sondern eine Sache, die die Branche bewegt. Deshalb haben wir uns entschieden, einen Code of Conduct zu entwickeln, der den Umgang in Pitches miteinander klar und nachvollziehbar regelt.

 

RB: Was beinhaltet der?

Pusch: Wir wollen das Geschäft fair machen: Immer wenn Neverest in einem Pitch dabei ist, gibt es eine gemeinsame Server-Adresse für alle Angebote. Dort haben nur das FFF und der Kunde Zugang. Das bildet die Vertrauensbasis für andere Produktionsfirmen.

 

RB: Wie ist die Resonanz darauf in der Branche?

Pusch: Ich habe dazu lange mit Tony Petersen in seiner Funktion als Präsident der Produzentenallianz gesprochen. Er fand es zwar bedenklich für die Branche, aber der Prozess sei nicht aufzuhalten. Unser konkretes Vorgehen fand er fair.

 

RB: Inwiefern sehen Sie sich in Konkurrenz zu klassischen Filmproduktionen?

Pusch: Bisher gar nicht. Wenn wir die Kreation von der ersten Idee bis zur Auslieferung übernehmen, müssen wir nicht pitchen. Oft haben wir die Kreation fast verschenkt, um die Produktion zu übernehmen und umgekehrt. In dem Fall waren wir keine Konkurrenten, denn wir haben eine Komplettleistung erbracht, die Filmproduktionen nicht liefern konnten. Da haben wir ein neues Geschäftsfeld aufgemacht. Wenn wir "nur" als klassische Filmproduktion auftreten, also keine Komplettleistung erbringen, hätte ich keine Scheu, auch für andere Agenturen zu arbeiten. In Zukunft werden wir also ein Stück weit zur Konkurrenz.

 

Mehr über die neuen Standorte von Neverest sowie Puschs Meinung zu Spot-Längen und den größten Herausforderungen der Bewegtbild-Branche lesen Interessierte in der Print-Ausgabe 26 von unserem Schwester-Titel 'new business'. Zur Bestellung geht es hier.

(vr) 29.06.2018