Meiré und Meiré-Gründer Mike Meiré im Interview über Trends in der Cover-Gestaltung

Das Magazin 'brand eins' wird vom Wettbewerb 'Cover des Monats' immer wieder für seine Titel-Gestaltung gelobt. Das 'Red Box'-Schwestermagazin 'new business' hat mit dem Art Director Mike Meiré, der zugleich Gründer der Agentur Meiré und Meiré ist, über Regeln bei der Gestaltung gesprochen.

new business: Welches sind die wichtigsten aktuellen Trends in der Cover-Gestaltung?

Mike Meiré: Die Digitalisierung hat zum sogenannten "Flat Design" geführt. Ein Update des alten Slogans "Less is More", wenn man so will. Alles was weg kann, sollte nicht auf den Titel. Das plakative Application- und Interfacedesign prägt also zunehmend auch den Look von Printmedien. Man konzentriert sich auf das Wesentliche, was aber auch immer wieder zu intensiven Diskussionen innerhalb der Redaktionen führt. Alle wollen ja gerne alles auf den Titel schreiben und dann geht der Punch verloren. Man muss also an die eine, große Geschichte in der jeweiligen Ausgabe glauben. Es gibt aber auch die andere Fraktion; eine experimentelle, spielerische Gestaltungskomponente, bei der alles Gelernte über den Haufen geworfen wird – professioneller Dilettantismus. Der Computerbug wird quasi zelebriert, "make beautiful mistakes". Das verhält sich auch so bei der Fotografie, entweder "clean" oder "rough", was aber von Ausgabe zu Ausgabe variieren kann. Kontinuität der Diskontinuität.

 

nb: Gelten heute für die Gestaltung eines Magazincovers, das sich im Einzelverkauf behaupten muss, andere Regeln als noch vor fünf oder zehn Jahren?

Meiré: Das Cover ist noch wichtiger geworden, es muss als "Collector’s Item" gedacht und gestaltet werden. Es muss gleichermaßen Coffee Table-tauglich sein und stimulieren oder provozieren. Es folgt den Regeln der Plakatgestaltung: klar, direkt, aggressiv verstörend oder wahnsinnig schön. Druckveredlung unterstützt dies zusätzlich, also Sonderfarben, Papierwechsel, Stanzungen oder Prägungen. Das macht dann Print wiederum auch kostbar, ein Magazin hat einen physischen, sinnlichen Mehrwert, es wird über die Zeit zu einem Objekt, vielleicht sogar zu einem Fetisch, der mit einem altern darf. Zusätzlich sollte das Magazin vorab über Newsletter angekündigt und parallel mit Social Media-Aktivitäten verknüpft werden. Diese Entwicklung führt auch dazu, dass Celebrities mit vielen Followern auf Titel kommen und die Ausgabe exklusiv vorab ankündigen. Das haben wir in der ersten Generation bei 'Garage' etabliert, Models wie Kendall Jenner zum Beispiel – sie hat über 80 Millionen Instagram-Follower – durften das Cover innerhalb ihrer Community zuerst leaken.

Woher Mike Meiré seine Inspiration holt, was ihn beeindruckt und worin er Qualität sieht, lesen Interessierte im ausführlichen Interview in der Print-Ausgabe 37 von 'new business'. Ein Probe-Abo kann hier bestellt werden.