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„Der User wird’s schon richten“„Sie sind die Kreativen hinter den Kreativen. Sie bringen zusammen, was zusammen gehört: eine klasse Idee und eine klasse Produktion, schreiben Helga Schierke und Sven Jacobsen in ihrem Buch 'Artbuyer Germany 2008'. Aber auch das Artbuying ist mit den teils dramatischen Veränderungen in der Medienlandschaft durch das Internet und die Digitalisierung konfrontiert. Die Redbox-Redaktion hat Artbuyer und Bildredakteure nach den Auswirkungen auf ihren Berufsalltag gefragt und um Antworten auf folgende Fragen gebeten:
Zusammenarbeit mit Fotografen: Analoge Fotografie beansprucht allein schon durch das Abwarten auf die das eigentliche Shooting vorbereitenden Polaroids sehr viel Zeit. Durch die digitale Fotografie können Arbeitsprozesse stark verkürzt werden. Der Fotograf ist dadurch z.B. in der Lage, Bilder am gleichen Tag an den Kunden zu versenden. Fotografen müssen heutzutage digital ausgestattet sein, um in der Branche mitzuhalten. Zusammenarbeit mit Bildagenturen: Bei den Bildagenturen herrscht ein sehr großer Konkurrenzkampf. Der Arbeitsalltag zeigt, dass viele große Agenturen nicht mehr in der Lage sind, feste Ansprechpartner für die Kunden zu bestimmen. Noch vor 5 Jahren wäre diese Situation undenkbar gewesen. Aus Gesprächen mit Kollegen greifen viele Bildredakteure deshalb zu den kleineren, oft service-orientierteren Agenturen zurück. Hierbei hilft natürlich auch APIS, was ohnehin jeder zweite Bildredakteur besitzt. Die Bildsprache setzt sich bei den großen Agenturen kaum voneinander ab. Der zum Teil nicht europäische Look ist leider bisher noch bei sehr vielen Agenturen zu sehen. Wenn man typisch deutsche Produktionen sucht, findet man diese in fast keiner Agentur. Dies sollten die Bildagenturen in Zukunft überdenken, und vielleicht eher in diese Richtung produzieren. In Zukunft muss ein Art Buyer ein größeres Spektrum aus der Fotografie mitbringen und viel breitgefächerter arbeiten. Magazine und Zeitungen z.B. müssen noch mehr Wert auf die Bildsprache legen, um durch starken visuellen Auftritt gegen die wachsende Konkurrenz des Internets im aktuellen Geschehen bestehen zu können. Der Bildredakteur bekommt hoffentlich wieder einen höheren Stellenwert und die zuständigen Chefredakteure werden diese Tendenz zum „guten Bild" wieder ernster nehmen. Dadurch wird es in Zukunft wieder einen höheren Bedarf in dieser Berufssparte geben. Wir fördern z.B. junge dynamische Menschen, die sich vorstellen können als Bildredakteur zu arbeiten, und bieten jedes Jahr einen Platz als „Volontär/in" in unserer Bildredaktion an.
Zusammenarbeit mit Fotografen: Auch hier gilt: Die Zeit der unbeschränkten Budgets, so es sie jemals wirklich im redaktionellen Bereich gegeben hat, ist vorbei. Die digitale Fotografie hat für uns Redakteure natürlich große Vorteile: Datenzugriff online, statt vieler, vieler ungenützter Stunden im Studio. Aber es gibt natürlich auch Schattenseiten: Viele Fotografen sind inzwischen zwar auf digitale Kameras umgestiegen, denken aber noch analog. Das sieht man hier und da an den Resultaten. Positiv ist heute sicher, dass es hochqualifizierte Fotografenagenturen gibt, die sich mehr und mehr auf Klasse statt Masse konzentrieren. Dadurch wird die Zusammenarbeit leichter und enger. Zusammenarbeit mit Bildagenturen: Die Zusammenarbeit wird durch die totale Digitalisierung natürlich unpersönlicher. Gab es früher Bildredakteure in den Agenturen, die bestimmte Kunden, bestimmte Bedürfnisse genau kannten und auch ungefragt tolle Bilder anboten, geht der Trend heute eher dahin, alles auf die Server zu laden – der User wird’s schon richten. Der Servicegedanke und das professionelle Knowhow in den Bildagenturen ist nicht überall gleich. Umso erfreulicher, wenn man dann doch noch am anderen Ende der digitalen Leitung jemanden findet, der mehr kann, als Farbe und Schwarzweiß auseinander zu halten... 2. Wieder sind wir, besonders im redaktionellen Bereich, beim Thema Budget. Ich denke, dass „Nebenthemen“ so günstig wie möglich belegt werden, siehe großes Thema Mikroagenturen, in „wichtige Strecken“ allerdings investiert wird. Auch wenn ich natürlich genau beobachte, welche Magazine jetzt schon Produktionskosten drosseln, in dem sie international einkaufen gehen. Art Buyer werden sich entsprechend spezialisieren, um zu vermeiden, dass ein Blatt wie’s andere aussieht. Dazu dürfte es in der klassischen Bildbeschaffung immer mehr ausgefuchste Redakteure geben, die sowohl mit günstigen Anbietern als auch mit variantenreichem Einsatz einzelner Bilder sowie der technischen Bearbeitung derselben umgehen können (müssen).
Qualität und Kreativität waren immer gefragt und sind es heute nach wie vor. An der Zusammenarbeit mit Fotografen und Agenturen hat sich außer den technischen Abläufen bedingt durch die Digitalisierung nichts geändert.
Zusammenarbeit mit Fotografen: Die Websites der Fotografen ersetzen zunehmend ihre Mappen/Portfolios. Sei es aus zeitlichen oder organisatorischen Gründen, wenn Creativ Director und Art Director beispielsweise nicht am selben Ort wie der Art-Buyer sind. Durch das Internet und Email ist es innerhalb kürzester Zeit möglich, Bilder von überall auf der Welt zu bekommen. Zusammenarbeit mit Bildagenturen: Die Art der Recherche hat sich grundlegend geändert. Früher war es unerlässlich zu wissen, welche Art von Bildern man bei welcher Agentur bekommt. Ein persönlicher Ansprechpartner in der Bildagentur war wichtig, damit man seine Recherche in guten Händen wusste. Heute kann man selbst in den Datenbanken der Agenturen suchen. Das geht schneller und ist effektiver. Der Zusammenschluss mehrerer Agenturen innerhalb einer Website (z.B. fotofinder, fotomarktplatz oder xxpool), macht eine Recherche auch ohne detaillierte Kenntnis der jeweiligen Agenturen möglich. 2. Die oben genannten Aspekte werden sich noch verstärken. Immer mehr kleinere Bildagenturen werden von den großen Agenturen wie Getty Images oder Corbis aufgekauft werden. Die redaktionellen Budgets und Werbe-Etats werden knapper. Anstelle von eigenen Produktionen greift man häufiger auf vorhandenes Material von Agenturen und Fotografen zurück. Die Abläufe der Bildrecherche, vor allem über Agenturen, automatisieren sich immer mehr, von der Recherche, dem Download von Feindaten, über die Klärung der Rechte bis hin zur Preisabsprache. Der persönliche Kontakt zu den Agenturen nimmt ab.
Zusammenarbeit mit Fotografen: Ebenfalls durch das Internet haben die Kreativen kaum mehr Kontakt zu den Fotografen, persönliche Mappen werden als pdf verschickt, Briefings über E-Mail und Telefon. Dabei gehen meiner Meinung nach wichtige Informationen teilweise verloren und es führt zu Missverständnissen. Zusammenarbeit mit Bildagenturen: Meiner Meinung nach der einzige Gewinner. Das Suchen ist einfacher geworden und die Datenübermittlung klappt vorbildlich. 2. Ich glaube, dass das Art Buying weiterhin eine beratende Funktion haben wird. Vielleicht sogar noch mehr. Durch das schnelle Abwickeln eines Projektes ist der Kunden/Kreative/Kontakter immer mehr auf das Wissen des AB angewiesen.
1. Generell: Alle Jobabläufe und Details laufen unter immer mehr Kosten- und Zeitdruck. Es muss immer mehr mit den Kunden „abgestimmt“ werden, die Entscheidungsfreiheit in der kreativen Umsetzung wird immer mehr beschnitten. Art Buyer werden mit E-Mails intern zugeschüttet und zusätzlich von externen (Fotografen, Agenten etc.) geflutet. Art Buyer ersticken in Administration, können kaum noch den kreativen Part richtig ausleben. Das Thema Rechte ist immer größer geworden, nicht nur die üblichen Copyrights der Urheber sondern jegliches Bildelement, bis hin zu abgebildeten „Marken“, Geräten, Gebäuden etc., alles muss umfangreich abgeklärt werden. Zusammenarbeit mit Fotografen: Von Fotografen wird zeitlich wie kostenmäßig viel mehr Kulanz und Flexibilität erwartet und vorausgesetzt. Jegliches Divaverhalten ist nicht mehr zeitgemäß, wird nicht mehr akzeptiert. Die Anforderungen an Fotografen wurden technisch erweitert durch professionelle Digitalfotografie und CGI. Zusammenarbeit mit Bildagenturen: Bei Bildarchiven ist der Anspruch höher geworden und wird von vielen auch geliefert, hier ist ebenfalls die Umstellung auf digital Voraussetzung, somit schnellste Lieferung der Feindaten. Auch hier sind die „Listenpreise“ der 90er mittlerweile ein Problem. 2. Entsprechend der Entwicklung der letzten Jahre werden sich die Rahmenbedingungen weiter verschärfen, im Gegenzug bin ich sicher, auch aufgrund jetziger Erfahrungen, dass das Printmedium immer bestehen bleibt, es lediglich je nach Kundenstruktur Verschiebungen geben wird. Einige werden verschiedene Werbemittel mit Billigproduktionen bestücken, zum anderen werden viele aufwändige Spezialprojekte wie Firmenbücher erstellt. Und nach wie vor wird es Kunden/Etats geben, die sehr viel Geld für aufwändige Fotografieproduktionen ausgeben. Eventuell wird es auch in einigen Bereichen wieder eine Besinnung „zurück zur Qualität“ geben, auch hier sind Tendenzen schon zu spüren.
Michael Nielsen, Bildredaktion ‚Lufthansa Magazin’ G+J Corporate Media, Hamburg 1. Generell: Durch die neuen Techniken ist der Arbeitsanfall und das Tempo in den Bildredaktionen gestiegen. Zusammenarbeit mit Fotografen: Generell erhöht sich der Druck auf die Fotografen digital zu arbeiten. Das ist mit nicht unerheblichen Kosten für den Fotografen verbunden. Arbeitet der Fotograf digital übernimmt er quasi die Arbeiten, die früher das Labor ausgeführt hat mit. Es gibt jedoch bis heute keine allgemeinverbindlichen Honorarsätze für diese Arbeiten. Die Verlage erhoffen sich massive Einsparungen – der Fotograf muss jedoch diese Arbeiten in Rechnung stellen, um auch in Zukunft sein ‚Labor’ auf neuestem Stand zu halten. Zusammenarbeit mit Agenturen: War vor wenigen Jahren noch das Gespräch zwischen Bildredaktion auf Agenturseite und Bildredakteur in der Redaktion alltäglich, übernimmt durch die Digitalisierung des Bildmaterials der Bildredakteur auf Redaktionsseite die früheren Aufgaben des Agenturmitarbeiters mit. Dies hat Vor- und Nachteile. Nachteilig ist der erhöhte Arbeitsanfall – von Vorteil jedoch der sofortige Zugriff auf das Material, als auch die nicht eintretende Enttäuschung über die Auswahlsendung der Agentur. 2. Zukünftige Entwicklungen: Ich vermute, dass auch in Zukunft der Kostendruck (den dann auch die Bildredaktion durchzusetzen hat) zunehmen wird, da der Werbeausgabentrend vom Printmedium zunehmend zum Onlinemedium geht. Wie bereits zu beobachten ist, drängen immer mehr Bildagenturen mit Material von ambitionierten Hobbyfotografen auf den Markt. Die Abdruckhonorare für dieses Material liegt weit unter den Sätzen, die für Profimaterial gezahlt werden. Diese Tendenz zur Billig-Produktion wird meiner Meinung nach zunehmen, die Qualität der Produkte jedoch auch verringern.
Auch bei Bildagenturen hat sich durch die Digitalisierung in den vergangenen Jahren bereits vieles verändert. Dort wird der klassische Kundenberater/Picture-Editor künftig nicht mehr zur Verfügung stehen, da alle Bilder digital im Netz für den Kunden sofort als Download zur Verfügung stehen. Fotos werden von uns umgehend, manchmal nur Stunden später benötigt, sodass das Procedere der telefonischen Bestellung und Kurierbelieferung mittlerweile der Vergangenheit angehört. Zukünftig werden wir sämtliches Bildmaterial selbst digital aus dem Netz ziehen, ohne persönlichen Kontakt zu den Bildagenturen. Daher freuen wir uns umso mehr, dass es noch viele Fotografen gibt, die uns regelmäßig mit ihren Mappen/Büchern besuchen. Nahe liegend ist, dass uns die Mappen und Bücher früher oder später ebenfalls digital zur Verfügung gestellt werden. Schade eigentlich … 2. Fazit: Unsere Branche wird immer vielseitiger und schnelllebiger, aber leider auch anonymer. Wir müssen umgehend darauf reagieren und unser Denken und Handeln diesen neuen Gegebenheiten anpassen. Eigeninitiative und umfangreiches Allgemeinwissen sowie technisches Know-how sind mehr denn je gefragt, da wir eigenständig ohne Hilfe der Kundenberater und Picture-Editors im Netz arbeiten werden. Das wiederum macht uns zeitlich und auch örtlich komplett unabhängig von unseren Zulieferern. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann also Bildmaterial eingekauft werden.
Heute hingegen kann man den sich des Eindrucks nicht erwehren, dass durch Kostendruck, enge Zeitplanung, sehr ausdifferenzierte Markenbilder und wenig Risikobereitschaft Neues zu wagen und damit neue Bildwelten zu schaffen, wenig gesetzt wird. Denn nur auf die sichere Bank mit großen und bekannten Namen zu setzen, bedeutet wiederum der Verzicht der Entwicklung von neuen und jungen Talenten mit anderen Sichtweisen und damit auf neue Bildwelten. Wenn man sich die momentanen Bildwelten gerade im Automobilbereich ansieht, muss man feststellen, dass sich da in den vergangenen 5 Jahren nicht eben viel bewegt hat und eigentlich Fotografen und Kreative aus anderen Bereichen eher neue Entwicklungen gesetzt haben. Durch die zunehmende Digitalisierung und das mehr und mehr webbasierte Arbeiten in unserem Bereich ist es sicher einfacher und vor allem schneller geworden sich über die Portfolios und die Arbeiten unserer kreativen Partner zu informieren. Alles ist immer und überall verfügbar. So können wir unseren Kunden schnell eine Übersicht über diesen Markt verschaffen und so die oder den Richtigen für eine Aufgabe finden. Dennoch glaube ich das dass gute, alte und große ‚Buch’ überleben wird. Im Zusammenspiel Fotograf – Agentur – Kunde erleben wir noch mehr Kostendruck, noch mehr Angebotsrunden und das Herumdiskutieren über Buyouts, Copyrights etc., da die urheberrechtliche Seite und die sich daraus ableitenden Vergütungen, wie schon in den letzten Jahren, sich noch schneller und kostenträchtiger entwickeln wird. So dass man fast den Eindruck gewinnen könnte, dass sich die Branche bald selber frisst. Zusammenarbeit mit Agenturen: Die Ballung des gesamten weltweiten Bildbestandes und die Rechte daran, an zwei, drei Personen, halte ich für sehr bedenklich. Wobei ich zunehmend weniger auf das Angebot von Bildagenturen zurückgreife. Zum Einen glaub ich nicht daran, dass man mit dem meisten Stockmaterial differenzierte und auf den Punkt gebrachte Markenbilder entstehen lassen kann, die bei den Betrachtern nachhaltige Emotionen und Bindungen auslösen. Zum Anderen sind es doch meistens bis auf wenige Ausnahmen nicht wirklich tolle Bilder, die wir immer sehen. Was ich noch nicht probiert habe und dieses Angebot gibt es ja auch, mit einer Bildagentur eine Eigenproduktion zu starten. 2. Für die Zukunft des Art Buyings hoffe ich, dass wir wieder zu alten Qualitäten zurückfinden und auf langfristigeres Arbeiten mit unseren Partner draußen setzen, um neue, treffende Bildwelten zu entwickeln, die begeistern, unterhalten und so auf beste Weise ihren Job tun. Und uns von der schlechten Angewohnheit lösen, über gescrapte Bildagenturbilder unseren Kunden in den präsentierten Layouts, die immer gleichen lahmen Bilder vorzustellen, die wir von unsere Fotografen dann mehr oder weniger nach fotografieren lassen müssen, was zur Entwicklung nicht eben beiträgt. (bmw) • 26.02.2008 |
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