Neu bei Red Box: Jean Pascal Zahn
Der Düsseldorfer Fotograf Jean Pascal Zahn hat neben Fotodesign auch einige Semester Kunstgeschichte studiert und so wundert es nicht, wenn er seinen Kunden aus dem Modedesign mehr bieten will als hübsche Models in tollen Kleidern. Mode ist für ihn "Ausdruck der jeweiligen Persönlichkeit" und so kann man in seinem Fall im wahrsten Sinne von einer Inszenierung der Fotografie sprechen.
Neben Aufträgen für Tina Miyake, Das Gewand, Barnabys, Staatstheater Stuttgart, Strichpunkt Design, Tuxedo, Die Zeit oder Brandeins gestaltet Zahn regelmäßig Ausstellungen. Bereits zwei Mal war er beim Photographic Portrait Price der National Portrait Gallery London nominiert und hat im Zuge des Wettbewerbs ausgestellt.
Im Red Box-Fragebogen erkärt der seit 2002 selbstständige Fotodesigner seine Fotografie-Philosophie genauer:
Ich verdanke meinen Lehrmeistern ... ... einen Blick für das Wesentliche eines Bildes und damit die Fähigkeit der Reduktion auf die essenzielle Bildaussage. Desweiteren wurde mir an der Universität Essen die Entwicklung einer ganz persönlichen Bildsprache fernab von fotografischen Klischees gelehrt. Die inhaltliche, analytische Auseinandersetzung mit Bildern – eigenen wie fremden – auch in Bezug zur Kunst- und Fotografiegeschichte war ein wichtiger Bestandteil des Studiums.
Warum ausgerechnet Modefotografie? In meiner freien Arbeit beschäftige ich mich neben Porträts auch mit Landschaften, wobei sowohl meine Landschaftsbilder als auch die Frauen- und Mädchenporträts Darstellungen von (fiktionalen) Gemütszuständen sind. Dabei beschäftigt mich Mode als Ausdruck der jeweiligen (wiederum fiktionalen) Persönlichkeit und als Kommunikationsmittel in Bezug auf die dargestellte Situation. Dann kann ein einzelnes Bild auch schon mal komplett schwarz sein und nur die Silhouette der Person ist im Gegenlicht zu erkennen. So bin ich denn über die Mädchenporträts zur Modefotografie gekommen, da sie für mich die konsequente Weiterentwicklung und kommerzielle Anwendung meiner Arbeit war. Was mir an der Auftragsfotografie für Modedesigner gefällt, ist die Möglichkeit, Kleidung so zu inszenieren, dass ihre Schönheit und Besonderheit optimal interpretiert wird. Ich suche dann eine angemessene fotografische Umsetzung des Entwurfs. Es gefällt mir, dass ich dabei eine wesentlich größere stilistische Freiheit habe als zum Beispiel bei Businessporträts. Auch ein unscharfes oder verwackeltes Bild kann dann unter Umständen als Modefoto seine Berechtigung haben, wenn es den Geist des Designs transportiert. So entstehen dann zum einen sehr natürliche, schnappschusshaft wirkende Bilder wie im Falle einiger Arbeiten, die ich für Tina Miyake verwirklich habe, oder manchmal auch überhöht inszenierte Bilder wie sie teilweise für Theaterkostümwerkstätten wie 'Das Gewand' entstehen.
Bei einer Produktion kann ich gar nicht leiden, wenn ... ... sich Mitarbeiter der Produktion divenhaft verhalten. Eine Fotoproduktion ist immer ein Zusammenspiel von einem Team von Fachleuten, sei es der Stylist, der Kunde, das Model, Fotograf, Visagist und auch der Assistent. Jeder bringt sich als kompentente Persönlichkeit mit einem individuellen Erfahrungsschatz ein und sollte dies auch den anderen Mitspielern zugestehen. Wenn dagegen die Stimmung am Set nicht stimmt, wird das die Produktion belasten.
Der größte Künstler aller Zeiten ist ... Diese Frage kann ich nicht beantworten. Es gibt so viele große Künstler, die man nicht miteinander vergleichen kann. Ich finde es hingegen interessanter zu fragen, welche Künstler mich auf meinem Werdegang beeinflusst haben, und da würde ich zuallererst Matisse nennen, mit dem ich mich während des Malerei-Studiums in den 90er-Jahren intensiv auseinandergesetzt habe, wegen seiner Fähigkeit, scheinbar dissonante Farbtöne so gegenüberzustellen, dass sie ein harmonisches Ganzes bilden. Desweiteren wurde ich, was die Lichtführung und Stimmung in meinen Frauenporträts betrifft, maßgeblich von Vermeer beeinflusst.
Für den perfekten Urlaub brauche ich ... ... viel Natur, sei es am Mittelmeer oder in den Bergen. Abseits der Hektik der Großstadt kann ich mich am besten entspannen mit Lesen, Wandern, gutem Essen oder Radfahren.
Mehr Bilder im Red Box Showroom von Jean Pascal Zahn.








(mak) • 30.07.2010 |