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Kanzler Kohl mit Kussmund, von F.C. Gundlach fotografiert

Bis zur Bundestagswahl am 27.9. präsentiert das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe unter dem Titel 'Wählers Gunst oder Die kleine Rache des Souveräns' Fotografien von F.C. Gundlach. In den vergangenen 30 Jahren nahm Gundlach nach eigenen Angaben 2.000 bis 3.000 Wahlplakate auf, die von Bürgern "umgestaltet" worden sind.

"Ich interessierte mich schon vorher für Graffiti", so Gundlach. "Beim Wahlkampf 1972 stieß ich dann zufällig auf ein kollagiertes Plakat von Willi Brandt – da war mein Interesse für das Thema entfacht." Als freie Arbeiten seien die Fotografien ein guter Ausgleich zur Mode gewesen, mit der sich Gundlach schwerpunktmäßig beschäftigt hat. Dabei habe er zuerst noch eine eigene Bildsprache kreieren wollen, sich später aber auf reine Dokumentation der Motive beschränkt: "Die Plakate sprechen für sich."

Porträts stünden stellvertretend für die Person selbst, an die sich der Beschmierende mit seiner Wut richte. "Hier äußert sich der Bürger direkt und zum Teil sehr, sehr überlegt", so Gundlach. "Je emotionaler ein Wahlkampf ist, desto häufiger finden sich beschmierte Plakate." Dieses Jahr zum Beispiel sei bisher nicht viel los - in Sachen Graffiti. 

Die Ausstellung beinhaltet eine Auswahl von 70 Fotografien und zur Ergänzung 40 Exponate aus der Sammlung des Museums, hauptsächlich Original-Wahlplakate. Solchen kann Gundlach wenig abgewinnen: "Diese ärmlichen Porträtfotos haben mir viel zu wenig Aussage. Sie sind zu banal, zu unpersönlich."

Seine Fotografien zeigen vom Scharping-Plakat mit der aufgeklebten Sprechblase "Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie verboten" bis zum Kohl-Plakat mit Kussmund die unterschiedlichsten Varianten der Bekritzelung. Teilweise sind sogar kunstvolle Karikaturen aufgeklebt. Gundlach haben es besonders die "kollagierten", also teils abgerissenen Plakate angetan, "Wo Brandt durch das Auge von Kohl schaut" etwa (Foto rechts).

Die Ausstellung endet beim aktuellen Wahlkampf – mit dem Plakat der Berliner CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, die sich gemeinsam mit Angela Merkel auf ihr Plakat fotomontieren ließ, beide mit tief ausgeschnittenem Kleid. Das Bild ist zwar weder bekritzelt noch zerrissen, "aber es ist an sich schon eine Bearbeitung", wie Gundlach sagt, "und es hat diesen Wahlkampf erst ins Rollen gebracht." Außerdem gefällt es ihm persönlich vergleichsweise gut: "Jedenfalls hat es Aufmerksamkeit erzeugt."

Weitere Infos zur Ausstellung hier

 

 




(am) 21.08.2009

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